Eine Stunde Ruhe – der Film

Nur eine Stunde Ruhe: Klassische Komödie aus Frankreich

Es ist ein sonniger Morgen, als Michael Leproux über den Flohmarkt flaniert. Dort entdeckt der Zahnarzt eine Rarität, die der Sammler bereits seit Jahren sucht. Es scheint, als hätte der lebensfrohe Familienvater den perfekten Tag. Er benötigt nur eine Stunde Ruhe, damit er die seltene Schallplatte genießen kann. In der eigenen Wohnung entwickelt sich die rasante Handlung der französischen Komödie, die 2014 entstand.

Der Filmtrailer

Michael hätte niemals geglaubt, die Schallplatte des fiktiven Klarinettisten Neil Youart in den Händen zu halten. Als es endlich soweit ist, möchte er „Me, Myself and I“ so schnell wie möglich abspielen. Der Titel der LP spiegelt die Lebensrealität des Mediziners wieder, der sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Zwar hört er seine Mitmenschen, ignoriert aber deren Bedürfnisse. Nachbarn und andere Störfaktoren blendet Michael aus. Stattdessen liebt er Jazz, was niemand versteht.

Als die ersten Töne der Platte erklingen, wähnt sich Michael im musikalischen Paradies. Allerdings stören Mitmenschen nach wenigen Takten den Hörgenuss. Ehefrau Nathalie (Carole Bouquet) möchte reden. Sohn Sébastien (Sébastien Castro) verkündet derweil seinen erneuten Einzug, weil der Humanist seine Wohnung an Flüchtlinge aus Vietnam übergab. Einer der besten Freunde sucht einen Rat, während der unfähige Handwerker das halbe Haus unter Wasser setzt.

Filmposter
Filmposter

Die Platte bleibt ungehört, weil Dramen und Katastrophen dem Mediziner keine Ruhe geben. Der aufdringliche Nachbar, der seine Party in die Wohnung des Zahnarztes verlegt, raubt dem Jazz-Fan die Nerven. Als Geliebte Elsa das Gespräch sucht, weil sie die gemeinsame Affäre belastet, droht weiteres Ungemach. Schließlich betrügen sie Nathalie, die nicht nur Ehegattin, sondern auch beste Freundin von Elsa ist. Nathalie hat unterdessen ein eigenes Geheimnis, das sie vor Michael verbirgt.

Schauspieler & Hintergründe

Der französische Schauspieler Christian Clavier, der durch seine Darstellung des Asterix in Deutschland populär wurde, mimt Michael Leproux. Als Darsteller entwickelte sich Clavier in den vergangenen Jahrzehnten zum Grandseigneur der französischen Komödie. Diesmal brilliert er als gestresster Familienvater, der charakterliche Schwächen offenbart. Es ist ein Genuss, dabei zuzusehen, wie der Darsteller den entnervten Vater gibt, der sich mit intriganten Mitteln eine Stunde Ruhe in der eigenen Wohnung erkämpfen möchte.

Die an ein Kammerspiel erinnernde Komödie, die mit der nötigen Rasanz durch Regisseur Patrice Leconte inszeniert und geschrieben wurde, enthält absurde Momente. Ruhige Passagen unterbrechen die rasanten Handlungsabschnitte, bevor neue Dramen über Michael und seine Mitmenschen hereinbrechen. Basis des 2014 entstandenen Films ist ein Stück, das in Deutschland auf mehr als 50 Theaterbühnen gespielt wurde.

Vorlage aus dem Theater

Nur eine Stunde Ruhe basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück, das im Februar 2013 am Théâtre Antoine zu Paris seine Prämiere erlebte. Das Stück wurde durch den Romancier Florian Zeller verfasst, der als einer der begabtesten zeitgenössischen Autoren in Frankreich wirkt. Er schuf einen zeitlosen Klassiker des modernen Theaters, der nur ein Jahr nach seiner Uraufführung verfilmt wurde.

Gekonnt nutzt die Komödie die gelungene Vorlage, um in Form eines klassischen Kammerspiels die Lachmuskeln zu strapazieren. Nach 80 Minuten wissen die Zuschauer, ob der Familienvater die Ruhe findet, um die Platte zu genießen. Sie kennen die Geheimnisse, die sich hinter der bürgerlichen Fassade der Familie verbergen. Zuvor erleben sie mit Michael, wie sich Katastrophen entwickeln, sodass der melancholische Mediziner nicht zur Ruhe gelangt.